Zeitzeugeninterview
62 Jahre am Gletscher

Zeitzeugen sind Menschen oder auch Objekte, die Zeugen über Geschehen sind und diese meist über längere Zeitspannen miterleben. Wir haben Klara Costa getroffen, sie lebt mit ihren 90 Jahren schon seit 1959 in Pontresina. Nicht weit vom Morteratschgletscher entfernt. Sie hat uns spannende Einblicke gegeben, in ihre Sicht auf den Gletscher. Auch hat sie uns an ihrer Trauer teilhaben lassen, dass der Gletscher immer rasanter kleiner wird. Klara Costa ist Zeugin, wie der Gletscher in dieser Zeit ca. 1.6 km an Boden verloren hat.

Ein Ausschnitt aus dem Interview mit Klara Costa:

Was ist deine erste Erinnerung an den Gletscher?

Klara Costa: Das war, als ich auf den Piz Morteratsch gegangen bin. Mein Mann hat mich dort hinaufgeführt und es war interessant die Gletscherwelt zu sehen. Es war wunderbar, grossartig. Da war der Gletscher noch grösser als jetzt.

 

Wie hast du den Gletscher da wahrgenommen?

Klara Costa: Als enorm. Ich habe gedacht, dass so ein Gletscher nie vergehen kann. Aber es wurde anders in letzer Zeit.

 

Wie nimmst du den Gletscher heute wahr?

Klara Costa: Traurig. Traurig. Es ist wirklich traurig und es läuft so viel Wasser. Das ist ein Zeichen, dass er immer schmilzt, immer kleiner wird.

 

Wie empfindest du, wenn der Gletscher so schnell zurückgeht?

Klara Costa: Irgendwie finde ich es traurig. Das ist einfach so und ich bin traurig, dass ich es nicht aufhalten kann. Es steht nicht in meiner Macht.

 

Bist du optimistisch, wenn du in die Zukunft schaust?

Klara Costa: Ja und Nein. Ich bin eher ein optimistischer Mensch, aber die Situation mit der Gletscherschmelze ist natürlich schon was anders. Dann ist man schon ein wenig skeptisch. Das ist logisch. Für mich in meinem Alter ist das nicht mehr so schlimm. Aber für die Jungen ist es natürlich dann schon tragisch, wenn denn da kein Gletscher mehr wäre. Das ist klar.

Links: Gletscher 1950, rechts Luftbild von 2020

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Klara C. als Junge Frau auf dem Gletscher